Kritik von Bernhard Hartmann im GA

(…) In Webers wilder an Tarantino und Schlingensief geschulter Mischung hat es die Musik nicht ganz leicht, sich durchzusetzen. Dank Jacques Lacombe, der ab der kommenden Spielzeit für zwei Jahre Chefdirigent an der Oper wird, erlebt man aber ein Stück, das (…) aus einem Guss geformt scheint. Lacombe (…)produziert mit dem Beethoven Orchester einen hinreißenden Streicherklang. Dass die Wortverständlichkeit an diesem Abend vorbildlich ist, liegt (…) am fabelhaften Solistenensemble. Angeführt wird es von Johanni van Oostrum, die nicht nur mit strahlendem Sopran beeindruckte, sondern auch mit ihren Martial-Arts- und Poledance-Einlagen.

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FOTOS: THILO BEU

Der in einer Monsterrüstung verpackte Mark Morouse als Holofernes ist mit seinem prachtvollem Bariton ein würdiger Nachfolger für den Interpreten der Berliner Uraufführung, den Bassbariton Michael Bohnen.

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Daniel Pannermayr (Oberpriester), Ceri Williams (Abra), Johannes Mertes (Holofernes’ Hauptmann), Martin Tzonev und weitere Solisten sangen auf ebenso hohem Niveau wie der von Marco Medved einstudierte Chor. Die Tänzerin Karica verlieh der musikalisch lohnenden, von Operndirektor Andreas K. W. Meyer betriebenen Ausgrabung eine zusätzliche Prise Orientalismus.

 

Hier die vollständige Kritik.

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Operntagebuch einer Praktikantin Teil 2

Operntagebuch Holofernes

von

Karolina Küsters2016-05-03 13.21.50

03.05.16 Morgens bei der Probe

Ansgar, der schwäbische Bühnenbildassistent,

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 spricht vor mir nicht mehr von Jürgen, sondern nur noch von Herrn Weber. Er guckt mich dabei irgendwie immer so ernst an…Vielleicht, damit ich mich besser in meinen Praktikantenstatus einfühle.
Na gut. Also heute bei der Probe: Herr Weber geht mit Cerri (Abra) und Johanni den ersten Akt durch. Ich finde es mittlerweile wirklich spannend, zu sehen, wie alles mehr und mehr Gestalt annimmt und möchte gerne alles mitbekommen. Ansgar hingegen sitzt neben mir und beglückt mich von der Seite mit seinen Ansichten über Sexualität, Sinnlichkeit und ungeschminkten Frauen in Holzfällerhemden, während ich krampfhaft versuche, Herrn Weber zu folgen. Englische sowie schwäbische Wortfetzen hallen zu mir hinüber, die englischen versuche ich alle aufzuschreiben, ich werde jedoch erneut gehindert von Ansgar, der sich über mich beugt, mitliest, und jetzt ungefragt hinter „beglückt mich“ einen Punkt setzt. Er lacht…. Immer noch…

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Als ich nach vorne auf die Probebühne gehe, handelt das Gespräch schon nicht mehr von der Inszenierung. Als es weitergeht, fällt mir ein, dass ich sicher schon seit 3 Minuten keine neue Kaffeeration gekocht habe, fatal!

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Ich komme mit einer randvollen Kaffeekanne zurück auf die Bühne und stelle sie auf den Tisch. Da steht Herr Weber vor Ansgar und erklärt in väterlichem Tonfall: „Also haben das jetzt alle gehört? Wir brauchen eine kleine Taube… Ansgar, ja? Das sind so weiße Vögel.“… Verwirrt blicke ich um mich, zuletzt fällt mein Blick auf die Kaffeekanne… Sie ist leer…

Abends bei der Probe
Die erste Probe mit dem Chor und im Opernhaus! Aufregend! Ich laufe Katrin hinterher und habe panische Angst, mich alleine in dem verwirrenden Gebäude zu verlaufen… Das wäre noch peinlicher als den Drucker nicht bedienen zu können oder den Kaffee zu vergessen. Wir betreten die Bühne und ich bin richtig baff… Auf einer echten Bühne sieht tatsächlich alles nochmal imposanter aus!

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Die leuchtenden Würste verwirren mich ein bisschen, aber ich will jetzt nicht zu viel verraten… Kurz bevor die Sicherheitseinführung gemacht werden soll, fragt Jürgen (habe mich doch gegen „Herr Weber“ entschieden), ob ich ihm nicht drei Tassen Kaffee bringen könne… Ich schaffe es tatsächlich, den Weg zur Kantine und wieder zurück zu finden! Verbrenne mir nur leider die Finger an den eindeutigen Fehlkonstruktionen aus Pappe. Als ich wiederkomme, ist die Einführung bereits vorbei und ich muss sie nachholen, während schon die erste Szene vorbereitet wird. Ich bringe Jürgen seine Kaffeetassen nach unten zur Bühne; Katrin weist mich darauf hin, dass ich natürlich nicht alle Becher auf einmal mitbringen soll, sondern jeden einzeln. Klar. Ich laufe also wieder hoch mit zwei (mittlerweile wohl temperierten) Pappbechern. Ich muss mir unbedingt die Opern- Kaffeeregeln irgendwo besorgen.
Danach geht alles ziemlich schnell. Da ich den Aufbau verpasst habe, bin ich nicht ganz sicher, was meine Aufgaben sind und um welche Szene es überhaupt geht. Ich soll ein Küchentuch holen, dann doch einen alten Stofffetzen, dann wird mir wieder ein Küchentuch in die Hand gedrückt. Ich soll dann Josef spielen (erst nach einiger Zeit begreife ich, welcher Charakter gemeint ist, denn ich hatte leider noch keine Gelegenheit, den Chor kennenzulernen). Dann soll ich Judith sein, die auf einem Rollbock einfach nur dasitzt… Und kann das erste Mal darüber nachdenken, wie komisch es ist, plötzlich von Operngesang umgeben, mit Blick auf den Orchestergraben und geblendet von den Scheinwerfern auf einer Bühne zu sitzen. Versuche danach, alles in meinem Klavierauszug nachzutragen und einen Überblick über die besprochenen Szenen zu bekommen, während Jürgen mit den Chormitgliedern alles durchspricht.
22 Uhr, Feierabend… Bin gespannt auf morgen.