Peter P. Pachl schreibt was über HOLOFERNES in der NMZ

Hier einige Ausschnitte aus der Kritik

31.05.16 (Peter P. Pachl)

–Rezniceks „Holofernes“ in Bonn

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Die mit allerlei irritierenden, teils gezeichneten,(…) Video-Projektionen aufwartende Inszenierung stellt denn bereits auf dem Hauptvorhang die Frage „Judith und Holofernes? / Holofernes und Judith?“ und weist mit einem Herzchen darauf hin, dass sich Judith heftig in ihren Gegenspieler verlieben wird. Um so drastischer fällt der Mord an dem vom Beischlaf erschöpften aus, (…) wobei fontänenartig so viel Blut spritzt, wie es sonst selten auf der Opernbühne zu erleben ist.

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Dass sich Judith am Ende selbst in ihre Waffe stürzt um nicht womöglich dem Holofernes einen Sohn zu gebären (…)

 

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Das Inszenierungsteam hat sich viel einfallen lassen. Gezeichnete Videos, ein Markenzeichen des Regisseurs Regisseur Jürgen R. Weber, sorgen für Ironisierung und Verunsicherung. Brechungen erfolgen durch heutige, auch gerne flapsige Zeichensprache der Protagonisten und des Chores. Grobschlächtig und irritierend der Bühnenraum von Hank Irwin Kittel: ein Tor aus blutigen Knochen der Erschlagenen führt aus dem Lager der Hebräer in den Zuschauerraum. Die lastende, schwebende Zukunft der Hebräer signalisieren gigantische, luft- und LED-gefüllte Wurstschläuche.

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Auf der Kehrseite dieser Versuchsanordnung, dem Lager des Holofernes, sind auf hohen Stangen Leichen aufgepflanzt. Ein Turm lässt sich auf zwei Seiten durch Zugbrücken öffnen, und deren eine überbrückt dann den Orchestergraben.

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(…)

Jacques Lacombe, ab der kommenden Spielzeit neuer GMD an der Oper Bonn, akzentuiert mit dem prachtvoll disponierten Beethoven Orchester klar und prägnant die bisweilen spröde, am Ende aber doch hymnisch strahlende, mit Ganztonskalen durchsetzte Partitur. (…)

(…) Holfernes gestaltet Mark Morouse eindrucksstark, mit souveräner Stimmführung in exponierten Lagen.

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Ein Glücksfall ist (…) Johanni van Oostrum als Judith: schlank, mit müheloser Höhe, textverständlich bei hochdramatischer Expression, überzeugt sie gleichermaßen stimmlich und darstellerisch – sogar beim Table Dance an der Stange und in der Beherrschung diverser Kampfsportarten, die sie gewinnbringend einsetzt.

Als Dienerin Abra steht ihr in Ceri Williams eine Altistin mit klangvoller Stimmentfaltung und groteskem Spiel zur Seite.

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Die Partie der die Wollust besingenden „weibliche[n] Stimme“ ist besetzt mit Nina Unden und hier personifiziert als lesbische Gespielin der exquisiten Tänzerin Karioca.

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Johannes Mertes, Jonghoon You, Nichaolas Probst und Sven Bakin als Hauptleute, Martin Tzonev als Gesandter, Eduard Katz, Josef Michael Linnek als hebräische Bürger und Egbert Herold als Trabant bilden ein homogen rollendeckendes Ensemble, aus dem der Bassist Daniel Pannermayr in der Partie des Oberpriesters Osias herausragt.

(…)

Da sich eine Opernpartitur jedoch live auf der Bühne zu bewähren hat, sei der Besuch in Bonn dringend empfohlen – wer weiß, wann sich die nächste Möglichkeit ergibt, diese Oper in einem Opernhaus zu erleben.

HIER DIE VOLLSTÄNDIGE KRITIK

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